Dienstag, 21. Oktober 2008

Jagdsaison auf Anleger

Die Welle rollt: Gemäß Branchenschätzungen sollen Banken und Versicherungen einen sehr hohen zweistelligen Millionenbetrag in eine Kampagne investieren, welche die Anleger vor der drohenden Gefahr durch die Abgeltungssteuer (Start 1.1.2009) warnen soll. Nicht ohne Eigeninteresse versteht sich, sollen die Umworbenen doch dazu bewegt werden, ihre Kapitalanlagen noch vor dem Stichtag in geeignete, sprich steuersparende Anlageformen umzuschichten.

Zweifellos macht es Sinn, sich gegen die erneute Ausweitung des staatlichen Zugriffs auf die privaten Einkommens- und Vermögenswerte zu wappnen. Allerdings steht die Steueroptimierung immer erst am Ende eines Anlageprozesses. Anlageentscheide, welche steuerlich getrieben sind, enden in aller Regel in einem Fiasko.

Tatsache ist, dass die Abgeltungssteuer zukünftige Erträge und Kapitalgewinne zum Teil deutlich schmälern wird. Tatsache ist auch, dass der Altbestand (d.h. Anlagen welche vor dem 1.1.2009 bereits bestanden) ihre Steuerprivilegien weitgehend konservieren können. Es macht also Sinn, wenn der informierte Anleger diese negative Entwicklung zum Anlass nimmt, seine aktuelle Aufstellung im Kapitalanlagebereich zu hinterfragen, um gegebenenfalls Korrekturen vorzunehmen.

Wer jetzt clever handelt, schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: zum einen kann mit der richtigen Strukturierung der durchschnittliche Erfolg des Wertschriftenportfolios zum Teil wesentlich gesteigert werden, zum andern verhindert eine gekonnte Grundaufstellung, dass der Altbestand mit steuerprivilegierten Anlageformen frühzeitig aufgelöst werden muss, was unwiderruflich zum Wegfall des Steuerprivileges führen würde.

Am Anfang eines Anlageprozesses steht für mich darum immer die Kopfarbeit. Nur wenn der Anleger und sein Berater bereit sind, den notwendigen Aufwand zu leisten, besteht die realistische Chance, effektiven Anlageerfolg und steuerliche Optimierung wirkungsvoll miteinander zu kombinieren. Wer nur auf taktische Hilfsmittel (also steuerlich optimierte Anlageprodukte) setzt, wird früher oder später mit der nüchternen Erkenntnis konfrontiert, dass außer Spesen wohl nichts gewesen ist.

In diesem Zusammenhang möchte ich auf eine jüngst veröffentlichte Studie über die Beratungsqualität von Bankberatern verweisen, welche eindrücklich das Missverhältnis zwischen Anspruch und Wirklichkeit in der Branche aufdeckt (>>mehr). Sie zeigt auch auf, dass es wenig Sinn macht, seine Vermögensstrategie auf dem Rat eines umsatzgetriebenen Produktverkäufers aufzubauen. Mag die Werbemaschinerie noch so beeindruckend sein. Nicht nur im Zusammenhang mit der Abgeltungssteuer gilt daher: Was nichts kostet, ist nichts wert und kommt den Anleger deshalb häufig teuer zu stehen.

In meinem nächsten Finanztipp werde ich Ihnen zeigen, wie Sie der Abgeltungssteuer aus planerischer Sicht begegnen sollten.


Ihr
Sidney Batt

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